Trotz verfügbarer Therapien kann das Asthma bei vielen Patienten noch immer nicht ausreichend kontrolliert werden – ca. 5 bis 10 % leiden an schwerem unkontrolliertem Asthma1.

Unkontrolliertes Asthma

Für die Definition eines unkontrollierten Asthmas werden verschiedene Parameter wie Symptomkontrolle, Exazerbationsrate und Lungenfunktion herangezogen. Da in verschiedenen Studien unterschiedliche Parameter zur Definition eines unkontrollierten Asthmas verwendet wurden, schwanken die Angaben zur Prävalenz. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit 19 bis 56 % der Asthma-Patienten ein unkontrolliertes Asthma aufweisen, jedoch abhängig u. a. vom Schweregrad2–5.

Die Einschätzung der Asthma-Kontrolle basiert auf den Beschwerden des Patienten. Um die Asthma-Kontrolle zu erfassen, soll der Patient laut GINA (Global Initiative for Asthma) nach folgenden Punkten gefragt werden6:

  • Asthma-Symptome tagsüber in den letzten 4 Wochen
  • Symptome in der Nacht aufgrund von Asthma in den letzten 4 Wochen
  • Häufigkeit des Einsatzes der Bedarfsmedikation in den letzten 4 Wochen
  • Aktivitätseinschränkung in den letzten 4 Wochen

Je nachdem, ob bzw. wie häufig Symptome/Einschränkungen in den vorausgegangenen 4 Wochen bestanden, liegt ein gut kontrolliertes, teilweise kontrolliertes oder unkontrolliertes Asthma vor (s. Tab. 1). Die aktuelle S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma orientiert sich eng an den GINA-Kriterien zur Asthma-Kontrolle7.

 

 

Erhöhtes Exazerbationsrisiko bei unkontrolliertem Asthma

Tab. 1: Einschätzung der Asthma-Kontrolle nach den GINA-Kriterien bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren6.

 

Schweres Asthma

Die Definition von schwerem Asthma basiert gemäß aktueller Leitlinien auf der Behandlung, die erforderlich ist, um Asthma kontrolliert zu halten.1,6 Die GINA-Leitlinien empfehlen eine Stufentherapie, deren Ziel die Asthma-Kontrolle ist (s. Abb. 1). Ein schweres Asthma liegt entsprechend der GINA-Guideline vor, wenn der Patient eine längere Behandlung mit mittelhoch bis hoch-dosierten inhalativen Kortikosteroiden (ICS)/langwirksamen β2-Agonisten (LABA) plus zusätzlichen Controller-Präparaten und/oder systemische Kortikosteroide benötigt, um eine Asthma-Kontrolle zu erzielen – oder wenn das Asthma trotz dieser Behandlung unkontrolliert bleibt6. Der Asthma-Schweregrad wird also retrospektiv anhand der Therapie definiert, die erforderlich ist, um Asthma-Symptome und Exazerbationen zu kontrollieren6.

 

 

Erhöhtes Exazerbationsrisiko bei unkontrolliertem Asthma

Abb. 1: Die GINA-Leitlinien empfehlen eine Stufentherapie, deren Ziel die Asthma-Kontrolle ist.6


* Nicht für Kinder unter 12 Jahren; ** Für Kinder von 6–11 Jahren ist der bevorzugte Schritt 3 der Behandlung eine mittlere ICS-Dosis. # Niedrig dosiertes ICS/Formoterol ist die Bedarfsmedikation („Reliever“) für Patienten, die niedrig dosiertes Budesonid/Formoterol oder niedrig dosiertes Beclometason/Formoterol als Erhaltungs- und Bedarfstherapie erhalten.

ICS = inhalative Kortikosteroide; IgE = Immunglobulin E; IL-5 = Interleukin 5; LABA = langwirksame Bronchodilatatoren (long-acting beta-2 agonists); LTRA = Leukotrienantagonisten; OCS = orale Kortikosteroide; SABA = kurzwirksame Bronchodilatatoren (short-acting beta-2 agonists)

 

Schweres unkontrolliertes Asthma

„Unkontrolliertes Asthma“ und „Schweres Asthma“ repräsentieren demnach überlappende, aber unterschiedliche Definitionen. Ein Patient kann ein unkontrolliertes Asthma aufweisen, das aber nicht unbedingt schwer sein muss (Ursache hierfür kann beispielsweise mangelnde Therapieadhärenz sein). Und nicht bei allen Patienten mit schwerem Asthma liegt auch ein unkontrolliertes Asthma vor.

Häufige Symptome, reduzierte Lebensqualität

Die chronische Atemwegsentzündung, die bei schwerem unkontrolliertem Asthma vorliegt, führt zu rezidivierenden Symptomen. Schweres unkontrolliertes Asthma ist im Vergleich zu kontrolliertem Asthma mit höheren Exazerbationsraten, häufigen Symptomen und einer schlechteren Lungenfunktion verbunden. Darüber hinaus beeinträchtigt schweres unkontrolliertes Asthma im Vergleich zu kontrolliertem Asthma die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) und die Produktivität am Arbeitsplatz/in der Schule6.

 

1 Chung KF et al. Eur Respir J 2014; 43: 343–373; Bateman ED et al. A, J Respir Crit Care Med 2004; 170: 836–844; 3 Hermosa JL et al. J Asthma 2010; 47: 124–130; Peters SP et al. J Allergy Clin Immunol 2007; 119: 1454–1461; 5 Von Bülow A et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2014;2(6): 759–767; 6 GINA Global Strategy for Asthma Management and Prevention. Updated 2018; 7 Buhl R et al. Pneumologie 2017; 71: 849–919.

Was ist Asthma?

Bei Asthma bronchiale handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung, die durch eine vermehrte Schleimproduktion, Kontraktion und Hypertrophie der glatten Atemwegsmuskulatur, Atemwegs-Hyperreagibilität sowie ein strukturelles Atemwegs-Remodeling (Umbauvorgänge in den Atemwegen) gekennzeichnet ist1.

Diese Veränderungen gehen mit unterschiedlichen klinischen Manifestationen einher1–3 (s. Abb. 2): 

  • Respiratorische Symptome (Giemen, Luftnot, Brustenge, Husten), die in Intensität und Häufigkeit variieren
  • Asthma-Exazerbationen
  • Atemwegsobstruktion

Asthma ist eine häufige Erkrankung, die – je nach Land – 1 bis 18 % der Bevölkerung betrifft2. Die Angaben zur Lebenszeitprävalenz von Asthma in Deutschland liegen zwischen 6,1 und 8,8 %4.

Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung

Die chronische Entzündung der Atemwege ist charakteristisch für Asthma2

 

Chronische Atemwegsentzündung bei Asthma

Abb. 2: Folgen der Inflammation bei Asthma1,2.

Pathophysiologie des Asthma bronchiale

Asthma ist eine komplexe und heterogene Erkrankung, sowohl hinsichtlich der Pathologie und klinischen Phänotypen als auch bezüglich des therapeutischen Ansprechens. Das breite pathophysiologische Spektrum, das zu den klinischen Symptomen eines Asthmas führen kann, umfasst folgende Mechanismen:

  • Epitheliale und subepitheliale Veränderungen
  • Immunologische Veränderungen
  • Neuromuskuläre Veränderungen
  • Vaskuläre Veränderungen

Diese zellulären Systeme sind durch Freisetzung von Zytokinen wie Chemokinen und Wachstumsfaktoren miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig3.

Bei etwa 50 bis 70 % der erwachsenen Asthma-Patienten liegt eine so genannte Typ-2-Inflammation vor5,6. Zentrale Schlüsselmediatoren der Typ-2-Inflammation sind die Interleukine IL-4, IL-13 und IL-57. Näheres zur Typ-2-Inflammation finden Sie hier.

 

1 Israel E, Reddel HK. N Engl J Med 2017; 377: 965-976; 2 GINA Report. Global Strategy for Asthma Management and Prevention. Updated 2018; 3 S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma (2017). AWMF-Registernummer: 020-009; 4 Gillissen A, Welte T (Hrsg.) Weißbuch Lunge 2014 (S. 26); 5 Seys SF et al. Respir Res 2017;18(1):39; 6 Peters MC et al. J Allergy Clin Immunol 2014;133(2):388-394; 7 Robinson D et al. Clin Exp Allergy 2017;47(2):161-175.

Klinische Belastung durch schweres unkontrolliertes Asthma

Patienten mit schwerem unkontrolliertem Asthma weisen häufig erhöhte Exazerbationsraten, eine eingeschränkte Lungenfunktion sowie eine reduzierte Lebensqualität auf. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für Steroidnebenwirkungen, wenn langfristig orale Glukokortikosteroide (OCS) eingenommen werden müssen1–6.

Exazerbationen und Lungenfunktion

Schweres unkontrolliertes Asthma erhöht das Exazerbationsrisiko. So ging in der TENOR-Studie, an der 82 Kinder und 725 Jugendliche bzw. Erwachsene teilnahmen, unkontrolliertes Asthma mit einer erhöhten Anzahl an einem erhöhten Risiko für Krankenhausaufenthalte, Besuche in der Notaufnahme oder dem gesteigerten Bedarf an OCS-Stoßtherapien einher1 (s. Abb. 3).

Eine eingeschränkte Lungenfunktion erhöht das Risiko für zukünftige schwere Exazerbationen zusätzlich1,7. Umgekehrt sind häufige Exazerbationen mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion assoziiert. Patienten, die häufige Exazerbationen haben, weisen eine signifikant stärkere Abnahme der Lungenfunktion auf als Patienten mit seltenen Exazerbationen2,8.

 

 

Erhöhtes Exazerbationsrisiko bei unkontrolliertem Asthma

 

Abb. 3: Erhöhtes Exazerbationsrisiko bei unkontrolliertem Asthma (modifiziert nach1).

a Monat-30-Termin in der TENOR-Studie
b Definiert über die Domäne „impairment“ (Beeinträchtigung) der NHLBI-Leitlinien von 2007
TENOR, The Epidemiology and Natural History of Asthma: Outcomes and Treatment Regimens
OCS = orale Kortikosteroide

Gesundheitsbezogene Lebensqualität

Schweres unkontrolliertes Asthma wirkt sich auch signifikant auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) aus. Dies belegt u. a. eine britische Studie mit 658 Patienten9, in der die Lebensqualität mithilfe des Marks Asthma Quality of Life Questionnaire (AQLQ-M) erfasst wurde. Patienten, deren Asthma nicht gut kontrolliert war, litten stärker unter einer Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität als Patienten mit gut kontrolliertem Asthma (Abb. 4)10.

 

 

Patienten, deren Asthma nicht gut kontrolliert ist, leiden unter einer Beeinträchtigung der Asthma-spezifischen HRQoL (bestimmt anhand des AQLQ-M)

 


Beeinträchtigung der Lebensqualität

 

Abb. 4: Unkontrolliertes Asthma geht mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität einher (modifiziert nach9,10).

*** p < 0,001
AQLQ-M = Marks Asthma Quality of Life Questionnaire; MCID = minimale klinisch bedeutsame Differenz

 

Abkürzungen

OCS = orale Glukokortikosteroide
HRQoL = gesundheitsbezogene Lebensqualität (health-related quality of life)
AQLQ-M = Marks Asthma Quality of Life Questionnaire
MCID = minimale klinisch bedeutsame Differenz

 

1 Haselkorn T et al. J Allergy Clin Immunol 2009; 124 (5): 895-902; 2 O’Byrne PM et al. Am J Respir Crit Care Med 2009; 179(1): 19-24; 3 Nguyen VQ et al. Allergy Asthma Proc 2016; 37 (6): 125-139; 4 Haselkorn T et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2010; 104 (6): 471-477; 5 Die Marco F et al. Respir Med 2010; 104 (1): 22-28; 6 Sullivan PW et al. J Allergy Clin Immunol 2018; 141 (1): 110-116; 7 Patel M et al. J Allergy Clin Immunol Pract 2014; 2 (6): 751-758; 8 Bai TR et al. Eur Respir J 2007; 30: 452-456; 9 Upton J et al. J Asthma 2016; 53: 975-982; 10 Wilson SR et al. J Allergy Clin Immunol 2012; 129: S88-S123.